Startup Finanzierung – wie kommt man zu den nötigen Mitteln?

Nachdem mehr und mehr gute Ideen in den österreichischen Gehirnen brüten, aber nicht jede/r einen finanzstarken Background oder Erbonkel zur Hand hat, hier ein Überblick, welche anderen Quellen die Träume von Gründern wahr werden lassen können:

BOOTSTRAPPING und FAMILIY & FRIENDS

BootstrappingDiese Ansätze kommen oft in der Anfangsphase bzw. Umbau-/Ausbauphase einer Geschäftsidee vor. „Bootstrapping“ ist eine typische Bezeichnung aus der IT, die inzwischen in der Start-up Szenerie sehr gebräuchlich ist. Wortwörtlich heißt es „sich an seinen eigenen Stiefelschlaufen hochziehen“ und meint – um eine andere Redewendung zu strapazieren – „hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“.

Also: „Glaub an Dich, gib keine Firmenanteile ab und stemme die Finanzierung Deines Start-ups selbst. So bleibst Du unabhängig“. Umgesetzt wird das Ganze durch eine „Politik der kleinen Schritte“. Es werden also keine schnellen Erfolge angestrebt, sondern langsame, beharrliche Umsetzung, um sich die Freiheit zu bewahren.

Der Friends-&Family-Ansatz ist ebenso dafür gut geeignet, sich die Unabhängigkeit von Kreditinstituten oder unbekannten Mitsprechern zu bewahren. Dabei ist alles erlaubt – ob als Leihgabe, Darlehen oder gegen Abgabe von Firmenanteilen. Der Vorteil dabei: Sie können flexibel zurückzahlen und das Geld ist schnell verfügbar.

Wichtig ist natürlich – um wieder ein Sprichwort zu strapazieren – „strenge Rechnung, gute Freunde“ – geben Sie also Acht, dass die Finanzbeziehung nicht die Freundschaft/Bekanntschaft belastet.

BUSINESS ANGELS

Business AngelDas Gute ist Naheliegend: gerade in der Start-up Phase braucht das Unternehmen nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Business Know-How. Die Business Angels bringen beides mit und noch dazu meist ein großes Netzwerk mit vielen guten Kontakten. Das Verhältnis Gründer und Business Angel ist meist ein sehr persönliches. Mentoring & Wissenstransfer sind dabei inklusive. In der Regel sichert sich ein Business Angel auch Unternehmensanteile.

Die Typen der Business Angels sind so vielfältig wie Unternehmenstypen: manche Business Angels bringen sich operativ voll ein, andere agieren mehr im Hintergrund als Mentoren, wiederum andere halten sich aus dem Operativen völlig raus und legen Verbindungen in hilfreiche Netzwerke.

Eines haben sie alle gemein: sie sind sehr daran interessiert, das Unternehmen, seine Produkte, seine Positionierung am Markt sowie das Team weiterzubringen. Geld steht meist nicht im Vordergrund als Motivator, sondern mehr der Erfolg der Unternehmens-Idee und der Personen, die daran beteiligt sind. Professionelle Business Angels sind immer mit dem Herzen dabei! Also: Augen auf bei der Business Angel-Auswahl! 😉

STILLE TEILHABER

Stille Teilhaber sind auch Business Angels – allerdings eben jene, die sich aus dem Geschäftsgebaren komplett raushalten. Sie agieren als reine Geldgeber und partizipieren oftmals nicht mal am Gewinn (je nach Vertragsvereinbarung).

AKZELERATOREN

Akzeleratoren, also „Beschleuniger“, sind dann die richtige Quelle, wenn die Geschäftsidee Ihres Startups schon entwickelt ist und Sie nun Unterstützung bei der Konkretisierung und Umsetzung der einzelnen Maßnahmen brauchen. Für so einen Accelerator-Support muss man sich qualifizieren – sprich man tritt in einer Bewerbung gegen andere Mitstreiter an. Setzt man sich durch, dann gibt’s eine kräftige Finanzspritze sowie unterstützendes Consulting mit Konzeptentwicklung, Mentoring und oft auch PR. Bezahlt wird der Akzelerator mit Unternehmensanteilen.

INKUBATOREN

Inkubatoren-Programme gehen noch einen Schritt weiter wie Accelerator-Programme: das Aufnahmeverfahren ist an die Erfüllung strenger Kriterien gebunden und schafft man die, dann bekommt man dafür eine sehr enge und operative Umsetzungsunterstützung: Inkubatoren unterstützen Gründer viel intensiver und persönlicher als Acceleratoren und übernehmen auch gerne mal die eine oder andere Management-Funktionalität. Dafür gibt es kräftige Anschubfinanzierungen – höher als jene von Akzeleratoren.

Im deutschsprachigen Raum werden Inkubatoren-Programme meist von großen Firmen betrieben. Für sie ist die Unterstützung von Startups insofern enorm interessant, da sich ihr eigenes Geschäft durch die Beteiligungen gut ausbauen und die Zukunftssicherung argumentieren lässt. Während Akzelerator-Programme eher eine Bindung auf Zeit sind, zielen Inkubator-Programme auf langfristige Bindungen ab. Als Gründer hat das viele Vorteile: man profitiert durch Know-How-Transfer, Management-Erfahrung, gute Netzwerke, bestehende Infrastruktur und enorme operative Mittel. Man bekommt also – trotz Startup-Charakter – einen enormen Sicherheits-Airbag.

Bezahlt wird hier entweder ebenfalls mittels Abtretung von Unternehmensanteilen oder auch durch Bezahlung einer monatlichen Gebühr. Oft werden auch gleich Vorkaufsrechte oder andere Abtretungs-Vereinbarungen für einen eventuellen Verkauf an den Inkubator mitgeregelt.

Hier die Unterschiede zwischen Inkubatoren und Akzeleratoren auf einen Blick:

apricot_Startup-Finanzierung

CROWDFUNDING

Crowdfunding ist sehr stark im Kommen. Namen wie Kickstarter, Venturate, fundendbyme,  Visionbakery, auxmoney, Seedmatch, Startnext und viele, viele mehr sind im deutschsprachigen Raum in aller Munde.

  • Das liegt einerseits daran, dass Gründer von Kreditinstituten aufgrund vieler Kriterien oftmals nicht unterstützt werden und sich somit mit ihrer Idee an eine „Crowd“ wenden.
  • Andererseits sind diese Mikrokredite, die hier zusammenkommen aus Gründersicht oftmals leichter zu kompensieren.
  • Drittens kennen heute viele Menschen bereits Crowdfunding-Plattformen, die schöne Geschäftsideen ins Leben gebracht haben. Sie gelten als sicher und es ist einfach schön, als Geldgeber das Gefühl zu haben, einem Startup den Kick-Off ermöglicht zu haben. Man ist Teil einer Gründer-Community, erste Reihe fußfrei sozusagen.

Crowdfunding Modelle_apricotCrowdfunding ist ebenfalls sehr facettenreich. Man versucht es in 3 Kategorien einzuteilen:

  1. Reward-Based Funding: meist für konkrete Produkte oder Projekte. Geldgeber ist jeder, der will, dass das Produkt auf den Markt kommt. Die Funder erhalten als „Bezahlung“ oft das Produkt selbst, zusätzliche Materialien oder auch oft virtuelle Values – wie z. B. eine Erwähnung als Gründungsmitglied.
  2. Funding in Form von Sonderdarlehen: die Gründer zahlen die geliehenen Beträge später bei Erfolg in Form von Zinsen, Gewinn- oder Exit-Beteiligungen zurück.
  3. Investoren-Suche: auf diesen Plattformen wird der Gründer übers Netz mit passenden Kreditgebern zusammengebracht. Oftmals sind diese „Kreditgeber“ Privatpersonen, die am Wachstum (z. B. via Gewinnbeteiligung oder Unternehmensanteilen) beteiligt sind.

VENTURE CAPITAL

Der VC-Company-Ansatz ist nichts für Minimalisten, sondern für all jene, die bereits am Markt sind und ganz groß hinaus wollen. Es geht darum, schnell zu wachsen und auszubauen, die potentiellen Mitbewerber abzuhängen. Dafür braucht es eine kräftige Finanzsubstanz.

Venture Capital-Firmen sind darauf ausgerichtet, die damit verbundenen Risiken gut einschätzen und nehmen zu können. Sie verwalten die Fonds die Gelder vieler großer externer Geldgeber und können große Summen aufbringen. Typische VC-Investitionen starten meist ab einer Million Euro aufwärts.

„Investitionen“ sind es dahingehend, weil der Gründer für die Unterstützung, die er erhält, Unternehmensanteile abtritt und auch das externe Mitspracherecht in Kauf nimmt.

Findet dieser Prozess erstmalig statt, spricht man von einer A-Serie. Wird der Prozess wiederholt – z. B. aufgrund weiterer Expansionen, etc. – spricht man dann in weiterer Folge von B-Series, C-Series, etc.

Die großen VC Companies in Europa sind: Earlybird, Glide Healthcare, DN Capital, TVM Capital Life Science, Holtzbrinck Ventures, Abingworth, Northzone Ventures, Speedinvest und einige mehr.

FAZIT

Soweit so gut. Dieser Beitrag liefert einen groben Überblick der gängigsten Startup-Finanzierungsmöglichkeiten. Zum Abschluss ist jedenfalls zu sagen: bevor man sich über die Finanzierung Gedanken macht, ist wichtig, sich vor allem über 2 Dinge klar zu werden:

  1. Liefert meine Startup Idee ein echtes, potentiell ausbaufähiges Modell oder brauche ich noch Sparring mit Freunden/Peers bzw. sogar Hilfe von Experten, um es potentiellen Geldgebern präsentieren zu können und
  2. Will ich Anteile abtreten und externe Mitsprache in meinem Startup haben oder möchte ich die Fäden alle selbst in der Hand behalten?

Viel Spaß beim Starten der Startup-Maschinen!

 

 

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